Netzpodium zu Kindern von politischen Gefangenen in der "DDR"

Bild zu Netzpodium zu Kindern von politischen Gefangenen in der "DDR"Cottbus / Chóśebuz, 14. Juli 2020. Die Gefangenen, die in der "DDR" aus politischen Gründen inhaftiert waren, sind zum größten Teil rehabilitiert. Viele bekommen mittlerweile eine Entschädigung für die Zeit hinter Gittern. Nach langen Kämpfen sind die Folgen politischer Inhaftierung in die Wahrnehmung von Politik und Gesellschaft gelangt.

Auf dem Zuchthausgelände in Cottbus an der Bautzener Straße
Foto: © Görlitzer Anzeiger
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Die "DDR" abseits von Planerfüllung und Jubeldemo

Bild zu Die "DDR" abseits von Planerfüllung und Jubeldemo
In der Dauerausstellung des Menschenrechtszentrums Cottbus

Bisher werden allerdings die Nachkommen politisch Verfolgter als Opfergruppe vergessen. Sie waren zwar selbst nicht inhaftiert, litten aber dennoch unter den willkürlichen und staatlich angeordneten Eingriffen der SED-Diktatur. Aufgrund der Inhaftierung eines oder beider Elternteile konnten die Kinder bestenfalls bei anderen Familienangehörigen bleiben oder sie kamen in ein Heim, wenn es nicht gar zur staatlich angeordneten Zwangsadoption kam.

"Die Frage eines Journalisten, was das alles mit mir gemacht habe, ließ mich persönlich aber auch beruflich nie los", so Katrin Behr, die vier Jahre alt war, als ihre Mutter vor ihren Augen von der Staatssicherheit verhaftet wurde und für mehrere Jahre hinter Gittern unter anderem im Roten Ochsen in Halle (Saale) verschwand. Die kleine Katrin kam zunächst ins Heim und wurde später von einer systemtreuen Familie adoptiert. Heute kümmert sie sich beruflich und privat um die Opfer von DDR-Zwangsadoptionen. Sie arbeitete ihre Geschichte im Buch "Entrissen" auf. 30 Jahre nach dem Mauerfall ist es an der Zeit, dass diese Kinder als Opfer von DDR-Unrecht anerkannt werden und eine daraus resultierende Rehabilitierung ermöglicht wird – zu schnell verblasst die Erinnerung und die Vergangenheit erscheint "nicht so schlimm", woran im Artikel über die Geschichte der Aufzeichnungen erinnert wird.

Im Netzpodium am kommenden Mittwoch, die Interessenten über das Internet verfolgen können, diskutieren folgende Podiumsgäste mit:


    • Annette Pein, heute Direktorin der deutschen Sonnabendschule in Boston, USA. Ihre Eltern gerieten in den 1980er Jahren wegen wiederholter Ausreiseantragstellungen und "Beeinträchtigung staatlicher Tätigkeit" in Haft. Ihre Mutter war im Frauenzuchthaus Hoheneck in Stollberg inhaftiert und ihr Vater im Zuchthaus Cottbus. Als 16-Jährige sorgte sie dafür, dass sie und ihre jüngeren Geschwister nicht ins Heim kamen und musste sich um sie kümmern.

    • Luca Ribeiro da Silva, dessen Vater Mitte der 1980er Jahre in Cottbus inhaftiert gewesen ist, hat die Lebens- und Leidensgeschichte des Vaters sowie seine eigenen damit verbundenen Gefühle in einem Buch verarbeitet.

    • Peter Keup war Anfang der 1980er Jahre in Cottbus inhaftiert. Ihm wurde die Geburt seines Sohnes vom Gefängnispersonal vorenthalten. Heute arbeitet er als Historiker in der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, seinem ehemaligen Gefängnis.

    • Katrin Behr ist Vorsitzende des Vereins "OvZ-DDR e.V. – Hilfe für die Opfer von DDR-Zwangsadoptionen". Im UOKG e.V. – Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft berät sie seit 2010 hauptberuflich die Betroffenen von DDR-Zwangsadoptionen und Kindestrennungen.

Es moderiert Sylvia Wähling, Leiterin der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus.

Unsichtbar und doch da! – Die Kinder von politisch Inhaftierten in der "DDR"
Einladung zum Netzpodium

Das Menschenrechtszentrum Cottbus lädt zur digitalen Diskussion via Internet am Mittwoch, 15. Juli 2020, 19 Uhr.
Interessenten sind herzlich willkommen, die Podiumsdiskussion über das Internet zu verfolgen. Dazu ist eine Anmeldung mit der eigenen E-Mail-Adresse über diesen folgenden Link erforderlich:
https://us02web.zoom.us/webinar/register/WN_Ot9EtSTyThesZ8cP6eG69w


Fragen an die Podiumsgäste können während der Diskussion an Monika Vahl über die E-Mail-Adresse infox@xmenschenrechtszentrum-cottbus.de (Spamschutz, beide "x" entfernen) gestellt werden.

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  • Quelle: red | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
  • Erstellt am 14.07.2020 - 23:03Uhr | Zuletzt geändert am 24.02.2021 - 17:26Uhr
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