Insekten essen?
Weißwasser / Běła Woda, 26. Februar 2021. Bei den Landwirten gärt es. "Keiner soll es je vergessen: Wir Bauern sorgen für das Essen!", so steht es am Rande mancher Landstraßen auf Transparenten. Allerdings hat das niemand in Frage gestellt, es geht doch vielmehr um die Art und Weise der Lebensmittelerzeugung und -weiterverarbeitung. "Keiner soll sich je genieren: Wir Bauern wollen billig produzieren!", das klingt halt nicht so gut und stimmt sicherlich in vielen Fällen nicht.
Umfrage erhellt Akzeptanz und Erwartungen
Doch schon droht der konventionellen Landwirtschaft neue Unbill durch neuartige Lebensmittel, zu denen etwa Mehlwürmer und Grillen gehören. Deren Zulassung steht in Europa zwar überwiegend noch aus, aber Übergangsregelungen machen die Vermarktung bestimmter Insektenprodukte als Lebensmittel bereits jetzt möglich, teilt die Verbraucherzentrale Sachsen in einer Presseinformation mit. Eine qualitative forsa-Befragung im Auftrag der Verbraucherzentralen erfasste nun die Einstellung von Verbraucher zu Speiseinsekten. Im Fokus standen Personen, die bereits insektenhaltige Lebensmittel essen oder die bereit sind, sie zu probieren. Zusätzlich wurden Personen mit Allergien oder Lebensmittelunverträglichkeiten befragt.
Das Ergebnis: Für die Studienteilnehmer sind insektenhaltige Lebensmittel Nischenprodukte. Sie gelten als exotisch und gewöhnungsbedürftig. Hauptargumente der Befragten für den Insektenkonsum sind hauptsächlich der erwartete hohe Proteinanteil und die Möglichkeit Fleisch zu ersetzen. Barrieren für den Insektenverzehr sind die Unsicherheit über den Geschmack und die für einige Personen die wenig ansprechende Optik der Tiere. Zudem scheint es den Teilnehmern schwer vorstellbar, sich an Insekten satt zu essen. Weil Insekten derzeit nur selten im Handel zu finden sind, werden hohe Preise jedoch toleriert. Für einen alltäglichen Einsatz im Speiseplan müssten die Preise jedoch deutlich fallen.
Bei Personen mit einer Allergie gegen Krustentiere und Hausstaubmilben besteht das Risiko auch auf Insekten allergisch zu reagieren. Den meisten Befragten ist zwar bekannt, dass verschiedene Lebensmittel Unverträglichkeiten und Allergien auslösen können, Insekten wird spontan jedoch kein erhöhtes allergenes Potenzial zugeschrieben. Die Studienteilnehmer erwarten in Deutschland eine gut sichtbare Kennzeichnung auf der Verpackung. Insbesondere für Allergiker ist das ein wichtiger Aspekt. "Das allergene Potenzial von Insekten ist bisher wenig erforscht und nicht abschließend geklärt. Daher erwarten wir von den Zulassungsbehörden, dass es bei insektenhaltigen Lebensmitteln zukünftig einen verbindlichen Hinweis auf der Vorderseite der Verpackung gibt. Dieser muss eindeutig und gut erkennbar auf mögliche allergische Reaktionen auf Schalen- und Krustentiere sowie Hausstaubmilben aufmerksam machen", sagt dazu Dr. Birgit Brendel, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen.
Wie man die neuartigen Insektenprodukte verwendet, sollte laut dieser Studie auf der Verpackung stehen. Dass Insekten ähnlich wie Fleisch mikrobiologisch sensibel sind, ist vielen nicht bekannt. Ohne klare Angaben zur Verwendung gehen die Befragten davon aus, dass sie das Produkt direkt verzehren können. Andernfalls wird ein konkreter Hinweis, etwa zur Erhitzung vor dem Verzehr erwartet. Dr. Brendel: "Das Ergebnis stützt unsere Forderung aus dem Marktcheck vom vergangenen Jahr. Es muss deutlich angegeben werden, ob ganze Insekten direkt verzehrt werden können oder zuvor erhitzt werden müssen."
Vor allem sportliche, männliche Teilnehmer erwarten aufgrund der Werbung höhere Proteingehalte von insektenhaltigen Lebensmitteln als von herkömmlichen. Dies sei jedoch nicht bei allen insektenhaltigen Produkten der Fall. Selbst wenn mit "proteinreich" geworben werde, müssen nach den gesetzlichen Vorgaben lediglich 20 Prozent des Energiegehaltes auf Proteine entfallen, so ein Hinweise von Dr. Brendel. Bedenkt man zusätzlich die geringen Mengen, die gegessen werden, relativiere sich die tatsächliche Proteinaufnahme sehr schnell.
Mehr lernen über Insekten als Nahrung
Die Verbraucherzentrale Sachsen veranstaltet zum Thema ein kostenfreies Webseminar. Im digitalen Vortrag erklären die Ernährungsexperten, warum Insekten auch bei uns als neuartige Lebensmittel immer mehr in den Fokus rücken. Dabei werden auch deren Nährwerte und Umweltverbrauch im Vergleich zu anderen Lebensmitteln diskutiert. Das Webseminar liefert zudem Tipps, worauf Verbraucher beim Kauf achten sollten.Webseminar:
INSEKTEN: KÖSTLICH ODER EKLIG? – Insekten als Lebensmittel
Dienstag, 9. März 2021, von 10 bis 11.30 Uhr
Anmeldung zum Webinar
Mehr:
Lebensmittel mit Insekten: Marktcheck deckt fehlende Kennzeichnung auf



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- Quelle: red | Carlrubino / Carl Rubino, Pixabay License
- Erstellt am 26.02.2021 - 16:26Uhr | Zuletzt geändert am 07.03.2022 - 23:46Uhr
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