Gesichtsmasken aus Cottbus
Cottbus / Chóśebuz, 15. April 2020. Der Menschenrechtszentrum Cottbus e.V. sorgt seit Beginn der Coronapandemie dafür, dass in der vorläufig geschlossenen Gedenkstätte Gesichtsmasken aus Baumwolle für Feuerwehrleute, Pflegekräfte und Rettungsdienste genäht werden. Seit zweieinhalb Wochen kommen Tag für Tag Frauen und ein zehnjähriger Junge und nähen. Bald sollen es bereits 1.000 Masken sein.
Unglaubliches Engagement einer Famile aus Syrien
Zu den vielen, die überall in Deutschland solche Masken nähen, gehört die Familie von Jassem Mazal, einem 23-jährigen syrischen Flüchtling aus Cottbus. Anstelle sich über die Antipandemiemaßnahmen zu ereifern, wollte die Familie nicht tatenlos zuschauen, wie der Bedarf an Masken immer mehr stieg, sogar der rbb berichtete darüber.
Für Sylvia Wähling, geschäftsführende Vorsitzende des Menschenrechtszentrums Cottbus e.V. und Leiterin der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, war es unfassbar, dass diese Familie den Stoff für die Masken selbst kauft, während das Menschenrechtszentrum solche Berge von Bettlaken gespendet bekommt, dass sie in absehbarer Zeit gar nicht verarbeitet werden könnten. Also machte sie Jassem Mazal ausfindig und erfuhr ich noch mehr Details über das unglaubliche Engagement und die Menschlichkeit dieser Familie.
Flüchtlingsgeschichte
Jassem Mazal lebt seit 2014 in Deutschland, er kam als unbegleiteter Minderjähriger. Deutsch hat er sich selbst beigebracht, auf der Straße, wie er sagt. Nachdem er die Prüfung der ersten beiden Stufen locker ohne Sprachkurs bestehen konnte, macht er jetzt den C1-Kurs. Seit 2015 lebt nun auch die ganze 30-köpfige Familie von Jassem in Cottbus. Er hat noch zwei kleinere Brüder und Schwestern, einen Vater der engeren Familie gibt es nicht mehr, er ist gestorben. Schneidern hat Jassem Mazal hat bei seiner Mutter, die Schneiderin ist, gelernt. Beide würden in Cottbus gern eine Schneiderei eröffnen, doch angeblich stehen dem bürokratische Hürden gegenüber.
Ungeachtet dessen näht die gesamte Familie jetzt ehrenamtlich und auf eigene Kosten Gesichtsmasken. Sie möchten Deutschland etwas zurückgeben von der Hilfe, die sie bekommen: Alle sind Hartz-IV-Empfänger. Vom Geld, das bei Hartz IV kaum Reserven lässt, gab jedes Familienmitglied etwas ab, damit über ebay sieben gebrauchte Nähmaschinen gekauft werden konnten. Den Weg für einen Aufruf, auf den hin Stoff und sonstige Materialien gespendet werden könnten, haben sie nicht gefunden, weshalb sie von Anfang an Stoff, Gummibänder, Garn, Scheren und was man sonst alles zum Nähen von Masken braucht selbst kaufen.
Mittlerweile kommen Bestellungen von überall her und die Arbeitstage werden überlang lang. Auch vom Krankenhaus in Cottbus und von Flüchtlingsheimen in Frankfurt/Oder und Eisenhüttenstadt kamen große Bestellungen. Auch der Postversand geht auf Kosten von Familie Mazal – und niemand fragt, woher das Geld für die Maskenherstellung und den Versand kommt. Alle freuen sich aber über das großartige Engagement der Familie, die allerdings bescheiden niemals zugeben würde, dass sie das nötige Geld unter Entbehrungen zusammenkratzt.
Spenden helfen weiter
Am 14. April 2020 konnte Jassem Mazal einen großen Beutel voller Bettlaken aus dem Menschenrechtszentrum mitnehmen – genug Stoff zum Maskennähen für die nächsten Tage. Die Nachlieferung aus dem Menschenrechtszentrum ist gesichert. Woran es nu mangelt sind teure Gummibänder, Verpackungsmaterial und Geld für das Porto. Damit die vielen Bestellungen abgearbeitet und verschickt werden können, will das Menschenrechtszentrum helfen und wird ab jetzt alle anfallenden Kosten für die Herstellung und den Versand der Masken der Familie Mazal übernehmen. Deshalb aber bittet das Menschenrechtszentrum um Spenden.
Spendenkonto:
Konto des Menschenrechtszentrums Cottbus
IBAN: DE92 1805 0000 3000 0414 50
Stichwort: Corona



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- Quelle: red | Bildquelle: Menschenrechtszentrum Cottbus e.V.
- Erstellt am 15.04.2020 - 06:47Uhr | Zuletzt geändert am 03.08.2020 - 12:35Uhr
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