Menschen leiden noch heute unter in der "DDR" erlittenem Unrecht
Cottbus / Chóśebuz, 5. März 2018. 29 Jahre nach der Implosion der SED-Diktatur erleben noch immer tausende Menschen die Folgen der Traumatisierung durch das SED-Unrecht. Manche schaffen es inzwischen, mit ihrem Trauma im Alltag umzugehen, andere unterdrücken es, aber nicht wenige leiden an den Spätfolgen, müssen regelmäßig in psychologische Betreuung, sind dadurch erwerbsunfähig oder können mit der errungenen Freiheit nicht umgehen. "Bis zum heutigen Tag fehlt leider eine Lobby in der Bundespolitik, die sich ausreichend mit den Belangen der ehemals politisch Verfolgten in der DDR befasst. Ich bin immer noch bestürzt über die Aussage eines prominenten Politikers aus Hamburg, der mich vor nicht allzu langer Zeit fragte, was noch aufzuarbeiten sei", prangert Dieter Dombrowski (CDU), ehemaliger politischer Häftling in Cottbus, Vorsitzender des Menschenrechtszentrums und Landtagsvizepräsident in Brandenburg, an.
Lesung von Dr. med. Karl-Heinz Bomberg aus seinem Buch "Heilende Wunden – Wege der Aufarbeitung politischer Traumatisierung in der DDR"

Dr. Bomberg betreut als Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie seit Jahren Opfer politischer Traumatisierung in der DDR. Sind einst verborgene Wunden sichtbar geworden, kann der Prozess ihrer Heilung bewusst begleitet und unterstützt werden.
In seinem neuen Buch widmet er sich den verschiedenen Bewältigungsformen politischer Traumatisierung – von psychoanalytischer Therapie über soziale Netzwerken, Humor und Reisen bis hin zu künstlerischer Betätigung, indem er Betroffene zu Wort kommen lässt und ihren Bildern einen öffentlichen Raum zur Verfügung stellt. Mit seinen fachlichen Erläuterungen verleiht er den Berichten und Bildern einen wissenschaftlichen und künstlerischen Rahmen. Mit diesen eindrucksvollen Ergebnissen reflexiver und künstlerisch-kreativer Durchdringung von Traumatisierungsfolgen gibt er wertvolle Einblicke und Anstöße, die weiter zur Aufklärung und Aufarbeitung der Spätfolgen politischer Traumatisierung beitragen können. Siegmar Faust, der 401 Tage im berüchtigten "Tigerkäfig" in Einzelhaft verbracht hat, liest als einer der genannten Betroffenen aus seinem Text im Buch von Dr. Bomberg.
Im Anschluss an die Lesung diskutiert er mit den ehemaligen Cottbuser politischen Häftlingen, Gino Kuhn, Matthias Katze und Siegmar Faust über Wunden und Wege der Aufarbeitung der Traumatisierung aus ihrer Haft. Gino Kuhn verarbeitet als Künstler seine Hafterlebnisse in seinen Kunstwerken, während Matthias Katze auf Grund der schweren Misshandlungen durch den berüchtigten Wärter "Roter Terror" Hubert Schulze bis heute mehrfach stationär behandelt werden musste. Musikalisch wird die Veranstaltung von Erika Kunz begleitet.
Hingehen!
Freitag, 9. März 2018, 18.30 Uhr,
Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus, Bautzener Straße 140, 03050 Cottbus:
Lesung aus dem neuen Buch von Dr. med. Karl-Heinz Bomberg "Heilende Wunden – Wege der Aufarbeitung politischer Traumatisierung in der DDR"
Interessierte Besucher sind herzlich eingeladen.
Darüber hinaus beraten an diesem Tag in der Zeit von 15 bis 18 Uhr Mitarbeiter der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur zu Fragen der Rehabilitierung und Entschädigung nach politischer Verfolgung in der Sowjetischen Besatzungszone und der "DDR", unterstützen bei der Antragstellung zur Akteneinsicht in Unterlagen der Staatssicherheit und helfen bei der Suche nach Wegen des Umgangs mit der belastenden Vergangenheit.



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- Quelle: red | Fotos: © Görlitzer Anzeiger
- Erstellt am 05.03.2018 - 18:10Uhr | Zuletzt geändert am 11.03.2022 - 19:09Uhr
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