In strukturschwachen Regionen ein Unternehmen gründen – kann das gutgehen?

Bild zu In strukturschwachen Regionen ein Unternehmen gründen – kann das gutgehen?Weißwasser / Běła Woda, 28. Dezember 2020. Viele ländliche und abgelegene Gebiete, wie es sie in der gesamten Bundesrepublik gibt, kämpfen mit wirtschaftlichen Problemen. Dünne Besiedlung, wenig Kaufkraft, in bestimmten Regionen wie um Weißwasser der Strukturwandel und eine hohe, verfestigte Sockelarbeitslosigkeit sind einige der zentralen Herausforderungen nicht nur für die Politik, sondern vor allem für Unternehmer in diesen Gegenden. Keine guten Voraussetzungen also, um ein Unternehmen zu gründen. Jedoch bietet die moderne Welt auch Vorteile für Existenzgründer in strukturschwachen Regionen.

Abb. oben: Der Wandel tritt zutage, wenn man in die Vergangenheit schaut. Hier die Seebrücke am Großräschener See, dem ehemaligen Tagebau Meuro, im Jahr 2005. Die Flutung des zunächst Ilsesee genannten und erst 2011 umbenannten Sees begann im Jahr 2007. Heute ist der See nahezu vollständig gefüllt und über den Ilsekanal mit dem Sedlitzer See verbunden.
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Die Herausforderungen für Unternehmen in abgelegenen Regionen

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Das entstehende "Theater im Ohr" am Bärwalder See bei Boxberg/O.L. / Hamor am 17. Juni 2007. Die 300 Meter hohen Schornsteine des benachbarten Großkraftwerks sind längst Geschichte, dafür ist der Bärwalder See / Bjerwałdski jězor längst zu einem abwechslungsreichen Erholungs- und Freizeitzentrum geworden, um das herum sich viele neue Unternehmen angesiedelt haben.
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Unternehmen in Regionen, die als strukturschwach bezeichnet werden, haben mit verschiedenen Probleme zu kämpfen. Eine der zentralen Herausforderungen ist die geringere Anzahl an Kunden beziehungsweise die niedrigere Kaufkraft. Dies ist auch in Zahlen messbar. Ausgehend von der durchschnittlichen Kaufkraft in Deutschland gibt es Regionen, die deutlich über oder unter diesem Mittelwert liegen. Einige Regionen in Bayern und Hessen haben einen Kaufkraftindex von bis zu 140. Am anderen Ende stehen die strukturschwachen Regionen. Diese finden sich vor allem in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Hier liegt der Kaufkraftindex oft nur zwischen 72 und 84. In diesen Regionen haben die Menschen deutlich weniger Geld zur freien Verfügung.

Hinzu kommen die demografischen Probleme der strukturschwachen Regionen in Ostdeutschland: Junge Leute wandern ab und die Bevölkerung schrumpft. Auch dies wirkt sich negativ auf Unternehmen aus, weil nicht nur Arbeitskräfte, vor allem Fachleute, fehlen, sondern auch die potenzielle Kundschaft, was vor allem mittel- und langfristig zu einem Problem für ein Unternehmen mit lokalem Absatzmarkt werden kann.

Vorteile von Regionen mit niedriger Wirtschaftsleistung

Regionen mit niedriger Wirtschaftsleistung können für Gründer jedoch auch von Interesse sein. Hier gibt es bestimmte Eigenheiten, die einem jungen Unternehmen durchaus zum Vorteil werden können. Dies beginnt bei niedrigen Mieten, denn in Regionen mit Strukturproblemen sind die Mieten meist deutlich niedriger als in den Wirtschaftszentren. Dies gilt sogar für größere Städte.

Ein weiterer Vorteil sind Förderprogramme und staatlichen Unterstützungen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung möchte Chancen für strukturschwache Regionen schaffen und hat vor diesem Hintergrund eine Vielzahl an Maßnahmen eingeleitet. Gründer können von solchen Hilfen profitieren und Förderprogramme für einen erfolgreichen Start nutzen.

Wer seine unternehmerische Tätigkeit primär über das Internet ausübt, der ist meist relativ frei in der Wahl des Standorts. Dann lassen sich die bereits angesprochenen Vorteile wie niedrige Mieten und staatliche Förderungen zusätzlich zum weitestgehend standortunabhängigen Geschäft nutzen. Wichtig ist selbstverständlich in jedem Falle, seinen Markt zu kennen und die moderne Kommunikation zu erlernen. Ein weiterer Vorteil in lokalen Märkten: In strukturschwachen Regionen herrscht oft wenig Konkurrenz. Mit einer gezielten Marktanalyse bieten sich durchaus Chancen für Unternehmen, eine Marktlücke zu besetzen, indem einzelne Angebote besser verfügbar gemacht werden. Im Idealfall ist die Nachfrage da und der Markt benötigt eine bestimmte Ware oder Dienstleistung – dann wird ein gut aufgestelltes Unternehmen auch in einer wirtschaftlich schwachen Region Erfolg haben.

Das eigene Unternehmen in einer strukturschwachen Region richtig aufstellen

Die richtige Ausrichtung ist wohl die größte Herausforderung für ein Unternehmen in einer strukturschwachen Region. Hilfreich und risikomindernd ist es häufig, das Unternehmen auf mehrere Verkaufskanäle auszurichten. So kann es hilfreich sein, Waren sowohl lokal in Laden als auch über das Internet anzubieten. Zu beachten sind allerdings die allgemeinen Vor- und Nachteile des E-Commerce. Theoretisch lässt sich über das Internet jedoch fast alles verkaufen und die Welt ist der Marktplatz. In der Praxis erfordert dies ein professionelles Auftreten, viel Planung, eine gute Logistik sowie die Nutzung von mehreren Vertriebswegen beziehungsweise Kommunikationskanälen.

Ebenfalls wichtig sind die organisatorischen und strategischen Planungen. Dies beginnt bereits bei der Eröffnung des Geschäftskontos einer GmbH. Rein digitale Anbieter wie Qonto sind hier gute Alternativen in dünn besiedelten Regionen, wo das System der Bankfilialen ausgedünnt ist und diese grundsätzlich rar sind. Unter diesen Umständen ist ein digitaler Banking Service, der alle Geschäfte online ermöglicht, eine gute Wahl. Bei Qonto läuft sogar die Kontoeröffnung komplett online ab. Außerdem gibt es über Qonto Debit-Karten mit unterschiedlichen Eigenschaften für Eigentümer und Mitarbeiter. Somit ist es für kleine wie mittlere Unternehmen sehr einfach, den Alltag zu organisieren, eine Filiale mit persönlichem Kundenservice wird in vielen Fällen dafür nicht benötigt.

Fazit

Strukturschwache Regionen wie das im Wandel befindliche Revier um Weißwasser und Cottbus / Chóśebuz bieten für Unternehmen durchaus Chancen, wenn sich diese auf die lokalen Märkte einstellen. Dabei steht bei online orientierten Unternehmen nicht einmal der lokale Absatzmarkt im Vordergrund, sondern oftmals wiegen der Personal- und der Einkaufsmarkt schwerer. Hinzu kommt an einzelnen Standorten in den Kohlerevieren ein enormer Bestand an Immobilien, die nach dem Abschied von der Braunkohle weitergenutzt werden können – eine Chance auf preiswerte Räumlichkeiten. Bei der Beleuchtung des wirtschaftlichen Umfeldes sind außerdem Bedarfe in Betracht zu ziehen, die bei den bestehenden Unternehmen im Zuge der Transformation zu einer braunkohleunabhängigen Wirtschaft entstehen.

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  • Quelle: red | Foto: © BeierMedia.de
  • Erstellt am 28.12.2020 - 08:16Uhr | Zuletzt geändert am 02.11.2021 - 09:18Uhr
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